Wie schreibt man eine Rede?

Sie stehen auf der Bühne, das Scheinwerferlicht küsst Ihre Stirn, alle Augen sind auf Sie gerichtet. Und nun? Klar: Sie wollen Ihr Publikum mit einer brillanten Rede begeistern! 

Doch spulen wir nochmal zurück: Wie schreibt man eigentlich eine Rede? Und wie bereitet man sie systematisch und effizient vor? Hier finden Sie eine Anleitung – Schritt für Schritt, inklusive Checkliste. 

Wie schreibt man eine Rede? Eine systematische Vorgehensweise ist ratsam, um effizient voranzukommen und den richtigen Nerv des Publikums zu treffen.

1. Redeanlass

  • Der Termin steht fest – Sie wollen oder sollen eine Rede halten.
  • Vielleicht wurden Sie gebeten, auf einem Kongress zu sprechen? Auf der Betriebsversammlung oder dem Management Meeting? Oder in Ihrem privaten Umfeld, zum Beispiel zu einem runden Geburtstag, einer Hochzeit oder Trauerfeier? 
  • Doch wie schreibt man eine Rede? Und wo fängt man an?
  • Auf jeden Fall sollten Sie sich zunächst mit dem Redeanlass und dem dazugehörigen Event beschäftigen.
  • Kontaktieren Sie den Organisator und informieren Sie sich über den Kontext, Rahmen und Ablauf der Veranstaltung.
  • Erkundigen Sie sich auch, ob eine Präsentation erwartet wird und welche technischen Voraussetzungen diese ggfs. erfüllen soll.  

2. Warum ausgerechnet Sie?

  • Klären Sie, warum der Veranstalter Sie als Redner eingeladen hat.
  • Welche Rolle nehmen Sie ein? Sollen Sie zum Beispiel in Ihrer Funktion und mit Ihren inhaltlichen Positionen als Experte, Wissensvermittler, Innovator, Motivator, Entertainer, Arbeitgeber, Kritiker, Mahner oder Schlichter fungieren?

3. Redethema

  • Welche spezifischen Inhalte, Themen und Impulse werden von Ihnen erwartet?
  • Decken sich die Wünsche des Organisators mit Ihren eigenen Vorstellungen?
  • Falls auf der Veranstaltung weitere Redner auftreten, sollten Sie klären, ob es eventuell thematische Überschneidungen geben könnte.
  • Wählen Sie Ihr Thema sorgfältig aus und grenzen es systematisch ein, passend zum Anlass, Kontext, Rahmen – und zum Publikum.
  • Holen Sie sich Feedback, ob Sie mit Ihrem Redethema wirklich ins Schwarze getroffen haben.

4. Publikum

Die Analyse des Publikums ist ein entscheidender Schritt bei der Vorbereitung Ihres Redeauftritts. Schließlich wollen Sie ja, dass Ihre Worte nicht nur gehört, sondern auch verstanden werden und in den Köpfen haften bleiben. Sie wollen den richtigen Ton treffen, zum Publikum eine Verbindung aufbauen und Sympathie ausstrahlen. Und Sie wollen mit Ihren Inhalten einen Mehrwert bieten. 

Hier einige wichtige Kriterien:

Größe des Publikums

  • Beginnen wir mit den Basics: Wie viele Zuhörer erwarten Sie?
  • Die Größe des Publikums beeinflusst den Redestil und die Interaktionsmöglichkeiten.
  • Bei einer kleinen Gruppe können Sie eher auf direkten Austausch setzen, bei einem großen Auditorium werden Sie Ihr Publikum wegen des Scheinwerferlichts vielleicht kaum sehen.
  • In diesem Fall sollten Sie sich vorab möglichst mit den örtlichen Begebenheiten und der Technik vertraut machen. 

Zusammensetzung

  • Werden Sie vor Kollegen aus Ihrer Branche sprechen oder vor Leuten mit einem ganz anderen Background?
  • Sind es eher jüngere, ältere, weibliche, männliche, gebildete, konservative oder progressive Menschen?
  • Gibt es in der Zuhörerschaft irgendwelche Normen, Konventionen, politischen Präferenzen, Vorurteile oder kulturellen Codes? Oder handelt es sich um eine bunt gemischte Gruppe? 

Redestil

  • Welcher Redestil passt zu Anlass und Publikum?
  • Sollten Sie formell oder eher locker auftreten?
  • In welcher „Sprach-Welt“ leben Ihre Zuhörer?
  • Ist der Gebrauch eines bestimmten Soziolekts oder Fachjargons angemessen?

Interesse am Thema

  • Finden Sie heraus, ob Ihr Publikum wirklich für das Thema brennt.
  • Warum sollten die Leute Ihnen zuhören? Was bewegt sie? Was mögen sie, was nicht?
  • Ihre Rede sollte einen klaren Bezug zu den Interessen und Vorlieben Ihrer Zuhörer haben.

Vorwissen

  • Versuchen Sie zu klären, wie vertraut Ihr Publikum mit dem Thema ist.
  • Müssen Sie grundlegende Konzepte erklären, oder können Sie direkt in tiefergehende Details eintauchen?
  • Fehleinschätzungen könnten hier schnell zu Desinteresse, Irritation oder Überforderung führen.

Mehrwert

  • Was nimmt Ihr Publikum aus Ihrer Rede mit?
  • Bieten Sie konkrete Tipps, Einsichten oder Lösungen, die für Ihre Zuhörer von direktem Nutzen sind?
  • Der Mehrwert ist das Streichholz, mit dem Sie bei Ihren Zuhörern das Feuer entzünden können.

VIPs und Ehrengäste

  • Die Anwesenheit von wichtigen Persönlichkeiten kann die Dynamik und Tragweite einer Veranstaltung und Rede verändern.
  • Wo sitzen sie? Gibt es protokollarische Besonderheiten?
  • VIPs zu begrüßen und angemessen zu würdigen, zeigt Klasse und Respekt.

Medienpräsenz

  • Wenn Journalisten, Fotografen oder Fernsehteams anwesend sind, könnte dies den Inhalt und die Form Ihrer Rede beeinflussen.
  • Sind nach der Rede Interviews und Statements geplant? Dann sollten Sie sich darauf vorbereiten.
  • Sollen das Redemanuskript und die Präsentation für die Medienvertreter als Handout verfügbar sein?

Interne Dynamik

  • Sind Personen anwesend, die Sie besonders überzeugen möchten oder müssen?
  • Wie gehen Sie mit möglichen Kritikern oder Gegnern um?
  • Sind Zwischenrufe zu erwarten und wie bereiten Sie sich darauf vor?

Interaktion

  • Sind Fragen aus dem Publikum vorgesehen? Ist eine Diskussion erwünscht?
  • Planen Sie entsprechend Zeit ein und bereiten sich mit einem ausformulierten Q&A vor.

5. Redeziele

Bei der Vorbereitung einer Rede ist es wichtig, klar definierte Redeziele zu haben und diese in wenige, prägnante Kernbotschaften zu destillieren. Tun Sie dies, bevor Sie mit dem Ausformulieren Ihrer Rede beginnen. Denn so gewinnen Sie selbst Klarheit darüber, wohin Ihre rhetorische Reise gehen soll. 

Ihr Anliegen

  • Was ist der zentrale Grund, warum Sie diese Rede halten?
  • Wollen Sie informieren, motivieren, überzeugen, inspirieren, aufklären, wachrütteln, mahnen, unterhalten, amüsieren, sich profilieren…?
  • Ihr Anliegen ist der Kompass für Ihre gesamte Rede.
  • Formulieren Sie einen eingängigen Kernsatz, der die Botschaft Ihrer Rede zusammenfasst.
  • Dieser Kernsatz ist das Herzstück Ihrer Rede, um das alles andere kreist.
  • Er kann mehrfach wiederholt werden – die Wiederholung ist ein legitimes und sehr wirksames rhetorisches Mittel.

Nutzen für das Publikum

  • Was bringt Ihre Rede dem Publikum? Ihre Zuhörer werden sich immer fragen, „Was ist drin für mich?“
  • Identifizieren und formulieren Sie den Mehrwert, den Ihre Rede liefert, sei es in Form von Wissen, Einsichten, Inspiration oder praktischen Lösungen.

These

  • Sie wollen der Welt mal richtig Ihre Meinung sagen?
  • Jede Meinungsrede baut auf einer starken These auf, die im Idealfall nur aus einem Satz besteht.
  • Sie können Ihre These bereits zu Beginn der Rede platzieren und dann Schritt für Schritt mit guten Argumenten untermauern. 

Appell

  • Was wünschen Sie sich von Ihren Zuhörern?
  • Der Appell ermutigt das Publikum dazu, auf Basis Ihrer Rede zu handeln.
  • Dies kann die Aufforderung sein, eine Einstellung anzunehmen, etwas Bestimmtes zu tun oder eine Veränderung zu unterstützen.
  • Auch den Appell sollten Sie schon notieren, bevor Sie mit dem eigentlichen Schreibprozess starten.

6. Recherche

Je nach Komplexität des Themas kann die Vorbereitung einer Rede mit einer gründlichen Recherche verbunden sein. Denn schließlich möchten Sie, dass alle Informationen korrekt, aktuell und relevant sind. Hier sind einige Methoden, die Ihnen helfen, Ihre Redeziele durch fundierte Inhalte zu erreichen:

Brainstorming

  • Lassen Sie Ihren Gedanken freien Lauf und notieren Ideen und Aspekte, die Ihnen zu Ihrem Thema in den Sinn kommen – ganz ohne Selbstzensur.
  • Mit dieser Technik können Sie neue, kreative Ansätze entdecken und ein breites Spektrum an möglichen Inhalten für Ihre Rede eröffnen.

Saubere Quellen

  • Identifizieren Sie glaubwürdige Quellen von anerkannten Experten und Institutionen.
  • Checken Sie die Fakten lieber einmal zu viel als zu wenig.
  • Prüfen Sie kurz vor Ihrem Vortrag, ob sich eventuell etwas an der Quellen- und Faktenlage geändert hat.

Online-Recherche

  • Bekanntlich gibt es im Netz nichts, was es nicht gibt.
  • Lassen Sie sich von der Flut an Informationen inspirieren, aber bewahren Sie sich in Punkto Glaubwürdigkeit und Relevanz immer eine gesunde Portion Skepsis.
  • Schauen und hören Sie auf Video- und Podcast-Portalen, wie andere Redner das Thema behandelt haben. 

Austausch mit Experten

  • Suchen Sie das Gespräch mit Leuten, die sich nachweislich mit Ihrem Thema auskennen.
  • Respektieren und reflektieren Sie auch andere Sichtweisen.

Interne Ressourcen

  • Erkundigen Sie sich in Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisation nach Personen, die auf den Themenbereich spezialisiert sind. Internes Expertenwissen kann ungemein wertvoll sein. 

Vorhandenes Material

  • Prüfen Sie, ob es bereits Redemanuskripte oder Präsentationsmaterialien zu Ihrem Thema gibt.
  • Diese können Sie eventuell zur Orientierung und Anregung nutzen und somit Zeit sparen.
  • Doch Vorsicht: „Copy and Paste“ kann schwer in die Hose gehen. Machen Sie Ihre Rede lieber zu Ihrer individuellen Glanzleistung!

Stoffsammlung

  • Sammeln Sie Material, das für Ihr Thema relevant ist, einschließlich Forschungsergebnissen, Fallstudien und themenbezogener Literatur.
  • Diese Sammlung bietet die solide Grundlage zur Entwicklung Ihrer Botschaften und dient eventuell auch als Quelle für Zitate.
  • Doch dann heißt es: Aussieben, Komplexität reduzieren und nur die wirklich wichtigen, leicht vermittelbaren Fakten nutzen.

Statistiken

  • Statistiken können Ihre Argumente untermauern und ihnen Gewicht verleihen.
  • Online-Portale wie Statista sind hier meist hilfreich.
  • Achten Sie darauf, dass die Zahlen, Daten und Fakten aktuell sind, aus seriösen Quellen stammen und im Kontext Ihrer Rede sinnvoll interpretiert werden können.

Umfragen

  • Studien und Umfragen geben Einblicke in die Meinungen und Einstellungen der relevanten Zielgruppen. Diese Informationen helfen, Ihre Botschaften auf das Publikum abzustimmen.

Meinungen und Argumente

  • Es ist wichtig, verschiedene Sichtweisen zu einem Thema zu kennen und in Ihrer Rede zu reflektieren.
  • So entwickeln Sie eine ausgewogene Perspektive, antizipieren mögliche Gegenargumente – und erhöhen die Chance, Ihr Publikum zu überzeugen.

KI-gestützte Assistenten

  • ChatGPT oder ähnliche KI-Assistenten können bei einer Vielzahl von Rechercheaufgaben unterstützen.
  • Zum Beispiel, um schnell Informationen zu sammeln, Zusammenfassungen von komplexen Themen zu erstellen und Ideen für die Strukturierung Ihrer Rede zu entwickeln.
  • Aber natürlich gilt hier einmal mehr: Zahlen, Daten und Fakten lieber doppelt checken!
  • Apropos: Widerstehen Sie lieber der Verlockung, Ihre Rede von ChatGPT schreiben zu lassen. Bis das wirklich gut hinhaut, werden wohl noch einige Jahre ins Land ziehen.

7. Redestruktur

  • Der berühmte Rote Faden sollte sich durch Ihre gesamte Rede ziehen. Er verleiht ihr eine klare, kohärente und logische Struktur und reduziert das Verzettelungsrisiko.
  • Alle Punkte Ihrer Rede sollten thematisch miteinander verbunden sein und auf eine zentrale Botschaft hinauslaufen. Wenn Sie diesen Faden verlieren, besteht die Gefahr, dass Sie Ihr Publikum verwirren oder langweilen. 
  • Mind Mapping ist eine kreative Technik, um komplexe Themen zu strukturieren und Verbindungen zwischen den verschiedenen Aspekten Ihres Themas zu visualisieren – eine effektive Methode, um den Aufbau Ihrer Rede zu planen.

Klassische Gliederung

Die klassische Struktur „Einleitung, Hauptteil, Schluss“ ist das gängige Format für Reden und Präsentationen. Jeder Teil spielt eine spezifische Rolle und trägt unterschiedlich zum Gesamterfolg der Rede bei. Hier eine kurze Erläuterung und Bewertung nach Umfang und Relevanz:

Einleitung

  • In der Einleitung begrüßen Sie das Publikum, wecken Interesse und stellen das Thema der Rede (und nur wenn wirklich notwendig, auch sich selbst) kurz vor.
  • Außerdem haben Sie zu Beginn der Rede die große Chance, Sympathien zu gewinnen – der erste Eindruck zählt!
  • Bitte verschwenden Sie nicht die Zeit des Publikums mit protokollarischen Begrüßungsarien, Ihrem Lebenslauf oder einer umständlichen Gliederung der Rede.
  • Der Umfang der Einleitung ist in der Regel kurz, ca. 10% der gesamten Rede.
  • Die Einleitung ist von sehr hoher Relevanz, da sie den Ton für die gesamte Rede setzt.

Vorschläge für sympathische Rede-Einstiege

Anekdote

  • Beginnen Sie mit einer kurzen, persönlichen und gerne amüsanten Geschichte, die eine Verbindung zu Ihrem Publikum herstellt. 

Charme-Offensive

  • Mit einem charmanten, ehrlichen (und nicht geschleimten) Kompliment sammeln Sie sofort Sympathiepunkte. Denn über Lob und Anerkennung freut sich jeder.
  • Da kann es zum Beispiel um den schönen Ort, die tolle Veranstaltung oder das erlesene Publikum selbst gehen.

Humor

  • Grundsätzlich ist es etwas Schönes, andere Menschen zum Lachen zu bringen. Humor macht das Leben leichter.
  • Dennoch ist Vorsicht geboten: Mit humorvollen Bemerkungen bewegen Sie sich auf dünnem Eis.
  • Denn jeder Mensch hat einen anderen Humor. Und viele Witze gehen auf Kosten anderer.
  • Manche Zuhörer könnten „witzige“ Sprüche in den falschen Hals kriegen – und dann ist der Schaden groß.
  • Außerdem ist nicht jeder Redner lustig. Man muss Humor gut „rüberbringen“ können. Da gehen Selbst- und Fremdwahrnehmung mitunter weit auseinander.
  • Auch Ironie ist schwierig, da sie oft missverstanden wird.
  • Was eher funktioniert: Selbstironie. Lachen Sie über sich selbst – und die anderen lachen mit!
  • Ansonsten ist es meist ratsam, auf „Schmunzler“ zu setzen statt auf „Schenkelklopfer“ – also auf feinen statt derben Humor.

Aktuelles Ereignis

  • Beziehen Sie sich auf ein aktuelles, für Ihr Thema relevantes Ereignis oder eine Neuigkeit, die für Ihr Publikum von besonderem Interesse ist. Das zeigt, dass Sie informiert sind und schafft Relevanz.

Frage an das Publikum

  • Starten Sie Ihre Rede mit einer Frage, die das Publikum zum Nachdenken anregt und Neugier weckt.
  • Das kann eine rhetorische Frage, eine Schätz- oder Quizfrage sein.
  • In jedem Fall sollte die Frage an das Thema heranführen.

Statistik

  • Eröffnen Sie mit einer überraschenden, wenig bekannten Statistik oder einem originellen Fakt, der Interesse weckt und zum Thema überleitet.

Persönliche Verbindung

  • Erzählen Sie, warum Ihnen das Thema persönlich am Herzen liegt. 

Visualisierung

  • Beginnen Sie mit einem eindrucksvollen Bild, einem kurzen Video oder einem anderen visuellen Hilfsmittel, das Neugier weckt und das Publikum sofort einbindet.

Interaktiver Einstieg

  • Fordern Sie das Publikum zu einer kleinen, interaktiven Aktivität auf, wie zum Beispiel das Handheben bei einer Frage. Dies erhöht die Aufmerksamkeit und Beteiligung.

Zitat

  • Starten Sie mit einem inspirierenden oder zum Nachdenken anregenden Zitat, das zum Thema Ihrer Rede passt. Ein gutes Zitat einer bekannten und anerkannten Persönlichkeit kann tiefgründig und einprägsam sein.

Hauptteil

  • Der Hauptteil ist der Kern der Rede, in dem die zentralen Ideen, Argumente oder Informationen präsentiert werden.
  • Hier werden die in der Einleitung gestellten Fragen beantwortet oder die angekündigten Themen ausführlich behandelt.
  • Der Hauptteil umfasst rund 80% der Rede. Entsprechend hoch ist auch die Relevanz.
  • Die Qualität des Hauptteils bestimmt maßgeblich, wie informativ, überzeugend und wertvoll die Rede für das Publikum ist.
  • Seien Sie sich bewusst, dass sich viele Zuhörer bei einer längeren Rede im Hauptteil zurückzulehnen und ihren eigenen (also nicht Ihren) Gedanken folgen.
  • Die Kunst besteht somit darin, das Publikum durch interessante Inhalte und eine lebhafte Vortragsweise bei der Stange zu halten. Rhetorische Fragen, Anekdoten, Interaktion etc. helfen dabei.  

Schluss

  • Der Schluss dient dazu, die Rede zusammenzufassen, die wichtigsten Punkte zu wiederholen und einen letzten, prägnanten Eindruck zu hinterlassen.
  • Oft endet eine Rede mit einem Aufruf zum Handeln und einer inspirierenden Botschaft.
  • Ähnlich wie die Einleitung umfasst der Schluss ca. 10% der Rede. Der Schluss sollte kurz und kraftvoll sein.
  • Die Relevanz ist sehr hoch, da er (wie der Einstieg) beim Publikum am ehesten in Erinnerung bleibt.

Unterschiedliche Gliederungsarten

Chronologische Struktur (Gestern – Heute – Morgen)

  • Erzählen Sie anschaulich, wie eine Entwicklung begonnen hat und was bisher geschah.
  • Bewegen Sie sich dann zur aktuellen Situation oder zu frischen Ereignissen.
  • Blicken Sie abschließend in die Zukunft und teilen Sie Visionen, Erwartungen oder Strategien.

Klassischer Fünfsatz

  • Stellen Sie das Thema vor und wecken Sie Interesse.
  • Präsentieren Sie Ihre These.
  • Begründung
  • Fazit
  • Appell

Management-Zyklus

  • Zielsetzung: Definieren Sie, was erreicht werden soll.
  • Planung: Erklären Sie, wie Ziele erreicht werden sollen.
  • Durchführung: Beschreiben Sie die Umsetzung der Pläne.
  • Kontrolle: Bewertung der Ergebnisse und Reflexion über den Prozess.

Didaktische Struktur (Vom Einfachen zum Schwierigen)

  • Einführung: Beginnen Sie mit grundlegenden, einfachen Konzepten.
  • Entwicklung: Steigern Sie allmählich die Komplexität und erläutern anspruchsvollere Ideen.
  • Höhepunkt: Enden Sie mit den komplexesten Aspekten.

Trichtermodell (Vom Allgemeinen zum Besonderen)

  • Allgemeine Einführung: Starten Sie mit einem breiten Überblick über das Thema.
  • Spezifizierung: Verengen Sie den Fokus auf spezifische Unterthemen oder Aspekte.
  • Detailbetrachtung: Enden Sie mit sehr spezifischen Beispielen oder einem konkreten Fall.

Dialektische Struktur 

  • Thema: Stellen Sie das Hauptthema Ihrer Rede vor.
  • Antithese: Präsentieren Sie eine Gegenposition oder alternative Sichtweise.
  • These: Formulieren Sie Ihre eigene Position und Argumentation.
  • Fazit: Ziehen Sie eine Schlussfolgerung aus der Gegenüberstellung von These und Antithese.
  • Appell: Enden Sie mit einem Aufruf zum Handeln oder einer nachdrücklichen Botschaft.

GAP-Analyse

  • Ist-Zustand: Beschreiben Sie die aktuelle Situation oder das aktuelle Problem.
  • Soll-Zustand: Definieren Sie den gewünschten oder optimalen Zustand.
  • Analyse und Lösung: Diskutieren Sie die Lücke zwischen Ist und Soll und erläutern Sie, wie sie überbrückt werden kann.

Balancierte Argumentation 

  • Pro: Stellen Sie die Argumente oder Vorteile in Bezug auf das Thema vor.
  • Contra: Erörtern Sie die Gegenargumente oder Nachteile.
  • Fazit: Ziehen Sie eine ausgewogene Schlussfolgerung, die beide Seiten berücksichtigt.

Problemorientierung 

  • Frage/Problem: Führen Sie das zentrale Problem oder die Fragestellung ein.
  • Argumentation: Erörtern Sie die verschiedenen Aspekte und Argumente, die mit dem Problem zusammenhängen.
  • Empfehlung/Lösung: Bieten Sie eine Lösung oder Empfehlung an, wie mit dem Problem umgegangen werden kann.

Problem – Ursache – Wirkung – Lösung

  • Definieren Sie das Problem, das angegangen werden soll.
  • Analysieren Sie die Gründe oder Ursachen des Problems.
  • Beschreiben Sie neutral und faktenorientiert die Auswirkungen und Konsequenzen des Problems.
  • Schlagen Sie (ggfs. auf wissenschaftlicher Basis) Lösungsansätze oder konkrete Maßnahmen zur Bewältigung des Problems vor.

8. Erstellung der Rede

  • Sie wissen nun schon ein bisschen mehr darüber, wie man eine Rede schreibt, oder?
  • Alles klar, dann geht’s jetzt endlich ans Schreiben!
  • Oh Schreck! Vielleicht merken Sie nun plötzlich, dass Sie eigentlich gar nicht genug Zeit haben oder sich das Ganze doch nicht so richtig zutrauen?
  • Kein Problem. Dafür gibt es professionelle Redenschreiber. Oder Sie besuchen ein gutes Seminar, um in Ruhe mit Anleitung zu lernen, wie man eine Rede schreibt.
  • Sie trauen sich aber sowas von? Sehr gut, dann los!
  • Behalten Sie immer Ihre Redeziele, Struktur und Kernbotschaften im Blick und arbeiten sich Schritt für Schritt voran. Nehmen Sie sich Zeit.
  • Der wohl wichtigste Rat, wie man eine Rede schreibt, lautet: Schreiben Sie eine Rede und keine Schreibe. Schreiben Sie also so, wie man spricht. Und das muss nicht immer grammatikalitisch korrekt sein.
  • Halten Sie die Sätze kurz und verständlich. Es gilt das Motto: Pro Satz nur ein Gedanke.
  • Meiden Sie Fremdwörter, Fachjargon und Anglizismen.
  • Und: Bitte nehmen Sie sich selbst nicht zu ernst. Widerstehen Sie der Verlockung, sich in Ihrer Rede selbst allzu dolle auf die Schulter zu klopfen.

9. Rhetorische Stilmittel

  • Rhetorische Stilmittel machen eine Rede lebendig, unterhaltsam und einprägsam.
  • Eine alphabetische Sammlung gängiger rhetorischer Stilmittel finden Sie hier.
  • Die wohl wirkungsvollste Methode, eine Rede aufzulockern, ist…

Storytelling

  • Menschen lieben Geschichten. Sobald ein Redner vom drögen 08/15-Gelaber in den Erzählmodus wechselt, spitzen die Zuhörer die Ohren und hängen an seinen Lippen.
  • Denn Geschichten wecken Emotionen, erzeugen Spannung, lassen Bilder im Kopf entstehen, binden die Zuhörer ein, machen komplexe Themen verständlich und bleiben am ehesten im Gedächtnis hängen.
  • Doch wie geht das nochmal mit dem Erzählen? Jede Geschichte hat eine Ausgangssituation und ein „erregendes Moment“ (also ein plötzliches Ereignis, einen Konflikt oder eine Herausforderung), das den Helden auf seine Reise schickt.
  • Die Hindernisse, die der Held überwinden und die Antagonisten, mit denen er sich herumschlagen muss, erzeugen Spannung bis zum Höhe- und Wendepunkt der Story.
  • Lassen Sie dabei immer mal wieder die Charaktere zu Wort kommen (durch direkte Rede).
  • Es folgen die Auflösung, das Happy End, der Epilog und eventuell die Moral von der Geschichte.
  • Natürlich muss bei alldem immer ein klarer Bezug zu Ihrem Redethema deutlich werden.
  • Sie könnten also zum Beispiel von einem spannenden Projekt in Ihrem Unternehmen erzählen und wie Sie es geschafft haben, Herausforderungen zu stemmen.

10. Visuelle Hilfsmittel

  • Wie schreibt man eine Rede – mit oder ohne PowerPoint?
  • Nicht immer, aber oft macht es Sinn, (audio-)visuelle Hilfsmittel zu nutzen, um eine Rede im wörtlichen Sinne anschaulicher zu machen.
  • Nutzen Sie Präsentationsfolien, Bilder, Diagramme oder Videos, um Ihre Punkte zu unterstreichen.
  • Aber übertreiben Sie bitte nicht, denn Sie als Redner sollten im Mittelpunkt stehen und nicht Ihre coolen Folien.
  • Als grober Richtwert, wie man eine Rede mit Präsentation schreibt, gilt: Maximal ein Chart pro Minute. Eine Übersicht gängiger Präsentationsmittel finden Sie hier.

11. Feedback und Abstimmung

  • Wenn man eine Rede innerhalb einer Organisation für eine andere Person (vermutlich den Chef) schreibt, existiert eventuell ein vorgegebener interner Abstimmungsprozess.
  • Hierbei sind kollaborative Plattformen wie MS Teams ein wahrer Segen, weil man das gesammelte Feedback aus etlichen Dokumenten nicht mehr zusammenfriemeln muss.
  • Auch wenn Sie selbst der Chef sind, gilt: Fordern Sie aktiv ehrliches Feedback aus den relevanten Fachabteilungen ein.
  • Und seien Sie nicht eingeschnappt, wenn Ihre Mitarbeiter Fehler finden, inhaltliche Aspekte hinterfragen oder stilistische Mängel erkennen.
  • Nehmen Sie konstruktive Kritik vielmehr dankbar an und lernen Sie daraus, um besser zu werden!

12. Vorbereitung des Redeauftritts

  • Hurra, es ist vollbracht! Nun wissen Sie wirklich, wie man eine Rede schreibt. Ein brillantes Redemanuskript liegt vor Ihnen auf dem Schreibtisch.
  • Das ist ja schon mal die halbe Miete. Wieso nur die halbe? Tja, nun kommt die eigentliche Arbeit.
  • Denn Sie wollen Ihre Rede ja nicht einfach vorlesen, oder? Das könnte auch jemand anderes tun.
  • Da Sie Ihr Publikum begeistern möchten, sollten Sie möglichst frei vortragen.
  • Aber bitte kommen Sie nicht auf die Idee, den Redetext Wort für Wort auswendig zu lernen.
  • Das ist sehr mühselig, macht wahnsinnig unlocker und kann beim Vortragen schief gehen.
  • Filtern Sie lieber aus Ihrem Manuskript die relevanten Stichwörter heraus, nutzen Sie ein paar Redekarten zur Orientierung und sprechen Sie so, wie man eben spricht. Ganz normal. Als ob Sie die Sache Ihrem Nachbarn erzählen würden.
  • Das sollten Sie natürlich mehrfach üben, vielleicht sogar auf Video aufzeichnen und sich wiederum Feedback einholen.
  • Wenn Sie etwas Budget zur Hand haben, buchen Sie einen guten Rhetorikcoach als Sparringspartner – es lohnt sich!

Wie schreibt man eine Rede? Die ultimative Checkliste

Die Basis einer erfolgreichen Rede ist die gründliche Vorbereitung. Dabei steckt der Teufel oft im – scheinbar banalen – Detail. Anhand der folgenden Checkliste können Sie alle organisatorischen Fragen rund um Ihren Redetermin vorab klären.

1. Redeanlass, Organisatorisches

  • Wer lädt ein?
  • Was ist das für eine Veranstaltung?
  • Gibt es ein übergeordnetes Thema der Veranstaltung?
  • Wo findet sie statt (genaue Adresse, Raumangabe)?
  • Wann (genau) findet sie statt?
  • Habe ich da Zeit? Wenn ja, wie viel?
  • Wie komme ich da hin und zurück?
  • Mit Übernachtung, wo?
  • Gewünschte Rededauer?
  • Warum soll ich da reden?
  • Wird mir ein Thema vorgegeben oder vorgeschlagen? Oder kann ich es frei wählen?
  • Wer wird bei der Veranstaltung außer mir reden?
  • Zu welchen Themen?
  • Wer redet vor mir, wer nach mir?
  • Werde ich angekündigt? Wenn ja, wie und von wem? Kontaktdaten?
  • Gibt es ein Programm, in dem ich angekündigt werde?
  • Wenn ja, wie (z.B. mit Foto)? Wer macht das Programm? Kontaktdaten?
  • Soll die Rede veröffentlicht werden?
  • Soll das Redemanuskript ausliegen oder in die Pressemappe?
  • Wo werde ich sitzen (im Publikum, an einem Tisch, auf einem Podium)? Neben wem?
  • Wenn ich auf einem Podium sitze: Wer sitzt da noch?
  • Gibt es ein Rednerpult?
  • Wie groß ist die Bühne?
  • Tageslicht oder Scheinwerfer?
  • Werde ich vorab für ein Mikrofon verkabelt?
  • Wenn ja: Wer macht das wann?
  • Ist eine PowerPoint-Präsentation erwünscht?
  • Wenn ja, sind alle technischen Mittel vorhanden?
  • Bringe ich meinen Laptop oder nur einen USB-Stick mit?
  • Sind sonstige Präsentationsmittel erwünscht/vorhanden (z.B. Flipchart)?
  • Gibt es vor Ort einen Drucker (falls ich kurzfristig am Manuskript etwas ändern und es nochmal ausdrucken möchte)?
  • Gibt es einen Dresscode? Was ziehe ich an?

2. Was will ich sagen (Thema)?

  • Wie lautet mein Thema?
  • Passt dieses Thema in die Veranstaltung?
  • Deckt es sich mit den Wünschen der Gastgeber?
  • Gibt es Überschneidungen mit den Themen anderer Redner?

3. Wem will ich etwas sagen? (Publikumsanalyse)

  • Wie viele Zuhörer?
  • Kann man die Zuhörer zuordnen (z.B. einer bestimmten Branche)?
  • Wie „ticken“ meine Zuhörer? In welcher „(Sprach-)Welt“ leben sie?
  • Interessieren sich die Zuhörer für mein Thema?
  • Kennen sich die Zuhörer mit meinem Thema aus?
  • Welchen Nutzen haben die Zuhörer von meiner Rede?
  • Gibt es im Publikum Ehrengäste, VIPs?
  • Wenn ja: Wo sitzen sie?
  • Wen muss ich begrüßen, Protokoll?
  • Sind Journalisten/Fotografen/Fernsehen anwesend?
  • Wenn ja: Sind Interviews geplant?
  • Haben die Veranstalter einen Pressesprecher? Kontaktdaten?
  • Wer verwaltet die Gästeliste? Kontaktdaten?
  • Kurz vor Veranstaltung checken: Sind die angekündigten Ehrengäste tatsächlich anwesend?
  • Sitzen im Publikum bestimmte Personen, die ich besonders überzeugen möchte?
  • Gibt es im Publikum Kritiker, Gegner?
  • Ist mit Zwischenrufen zu rechnen?
  • Darf das Publikum anschließend Fragen stellen?
  • Gibt es eine Diskussion?
  • Welcher Redestil ist angemessen?
  • Mit welchen Inhalten/Mitteln kann ich dieses Publikum begeistern?

4. Redeziele

  • Mein Anliegen:
  • Meine Message:
  • Mein Kernsatz:
  • Meine These:
  • Mein Appell:
  • Will ich informieren, motivieren, überzeugen, unterhalten…?

5. Recherche, Stoffsammlung, Umsetzung

  • Welche Quellen gibt es?
  • Wer ist in meinem Unternehmen für den Themenbereich zuständig?
  • Gibt es bereits Redemanuskripte und/oder Charts zu diesem Thema?
  • Redenschreiber:
  • Chartgestalter:
  • Abgabefrist:
  • Rhetorikcoach:
  • Übungstermin: