Der Ton macht die Musik

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Der Rhetorik-Blog gibt der Stimme Gewicht

Die Stimme hat viel mit Stimmung zu tun. Herausragende Gesangsstimmen lassen uns dahinschmelzen und professionelle Sprecher ziehen uns in ihren Bann. Am Klang der Stimme erkennen wir den momentanen Gemütszustand unseres Gesprächspartners – ist er fröhlich, traurig, erregt, nervös, gelangweilt, angeekelt, überrascht oder ängstlich. Der Ton macht die Musik und ist bedeutsam für die zwischenmenschliche Kommunikation.

Folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Stimmfärbung (heiser, sanft, vibrierend, schrill, gepresst…)
  • Tonlage (hoch, tief)
  • Stimmvolumen (voll/kräftig, dünn…)
  • Intonation/Betonung (monoton, dynamisch)
  • Tonfall (aggressiv, schmeichelnd…)
  • Lautstärke
  • Sprechtempo
  • Pausen
  • Füllwörter (äh, oder so, sozusagen, irgendwie…)
  • Begleitlaute (Lachen, Weinen, Kichern, Räuspern, Krächzen, Gähnen, Seufzen, Schluchzen, Schmatzen, Stöhnen…)
  • Dialekt/Akzent

Wir ziehen anhand der Stimme unwillkürlich Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, den Charakter und den Status des Sprechenden – ist er extro- oder introvertiert, schüchtern, selbstbewusst, dominant, gebildet, erfolgreich, sympathisch usw. Und das sogar unabhängig davon, ob wir seine Sprache verstehen oder nicht. Als angenehm, souverän, kompetent, sachlich und seriös empfinden die meisten Menschen tiefere Stimmen, bei Männern genauso wie bei Frauen. Das kann man bei geschulten Nachrichtensprechern gut nachhören. Demgegenüber kommen „kieksige“ Stimmen nicht gut an (und dennoch findet eine Verona Pooth erstaunlicherweise ihre Fangemeinde…).

Besonders konzentrieren wir uns auf die Stimme naturgemäß am Telefon. Kennen wir den Gesprächspartner nicht persönlich, dann ordnen wir aus unserer Erfahrung den Stimmausdruck des Gesprächspartners bestimmten Menschen-Typen zu – und malen uns  ein Fantasie-Bild (von Aussehen, Attraktivität, Alter, Größe, Körpergewicht…). Das kann beim persönlichen Kennenlernen für Überraschungen sorgen – etwa wenn wir uns bei einer voluminösen, kräftigen Stimme einen stattlichen Zwei-Meter-Mann vorgestellt haben und uns dann ein kleines Männlein die Hand schüttelt.

Jede Stimme ist einzigartig, sozusagen ein „akustischer Fingerabdruck“ (den auch die Geheimdienste fleißig nutzen). Die eigene Stimme hört man allerdings ganz anders als die Umwelt. Daher kann schon das Besprechen eines Anrufbeantworters zu einer neuen Selbstwahrnehmung führen. Auch in meinen Rhetorikcoachings und Medientrainings ist bei Videoaufzeichnungen oft die erste Reaktion: „Was, das soll meine Stimme sein!?“

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