Workshop: Rhetorische Stilmittel

„Wie Sie rhetorische Mittel gezielt einsetzen“: Ich freue mich auf meinen Workshop bei der „Tagung Redenschreiben“ der Deutschen Presseakademie am 26. April 2017 in Berlin. Am Abend geht’s dann noch zum Jahresempfang des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (http://www.vrds.de). Sehen wir uns?
http://tagungen.depak.de/redenschreiben/programm

Verabschiedungsrede

Das Wirtschaftsmagazin Impulse hat mich zum Thema Verabschiedungsrede befragt: http://www.impulse.de/management/personalfuehrung/mitarbeiter-verabschiedung-abschiedsrede/3538263.html Artikel Verabschiedungsrede

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Redenschreiber – die guten Geister im Hintergrund

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Fragen und Antworten zum Thema „Reden schreiben“

1. Warum lassen viele Redner ihre Reden schreiben – warum tun sie es nicht selbst?

Dafür gibt es drei wesentliche Gründe:

  1. Topmanager, Politiker oder Prominente haben randvolle Terminkalender. Fürs Redenschreiben braucht man jedoch Zeit und Muße.
  2. Reden schreiben will gelernt sein. Für gute Redemanuskripte braucht man gute Redenschreiber.
  3. Bekannte Persönlichkeiten sollen auf Kongressen oder bei gesellschaftlichen Anlässen manchmal zu Themen sprechen, von denen sie nur wenig Ahnung haben. Natürlich möchten sie trotzdem einen guten Eindruck machen – mithilfe eines Redenschreibers.

 

2. Wer schreibt die Reden denn dann?

  1. Mitarbeiter der unternehmensinternen Kommunikationsabteilung, zum Beispiel Pressesprecher.

Mögliche Vorteile:

  • Als Kommunikationsprofis haben sie ein Gefühl für Sprache.
  • Evtl. haben sie bereits Erfahrung als Redenschreiber.
  • Sie kennen den Redner und die Strukturen, Abläufe und „Befindlichkeiten“ innerhalb des Unternehmens.
  • Sie sind evtl. „im Thema“.
  • Sie kosten nichts extra.

Mögliche Nachteile:

  • Für Pressesprecher ist das Redenschreiben oft eine (lästige) Aufgabe von vielen – es besteht Stressgefahr.
  • Nur wenige Pressesprecher sind erfahrene Redenschreiber.
  • Die Kenntnis des Unternehmens und der unternehmensspezifischen Themen kann zu „Betriebsblindheit“ führen. Zum Beispiel wird der interne Fachjargon oft vorausgesetzt. Das kommt bei einem branchenfremden Publikum nicht gut an.
  • Die Kommunikation zwischen Chef (Redner) und Pressesprecher (Redenschreiber) ist hierarchisch – also nicht auf Augenhöhe.
  • Oder es kommt erst gar nicht zu einem direkten Kontakt, der Kommunikationschef fungiert als „Mittelsmann“.
  • Fruchtbarer Austausch, professionelle Beratung und konstruktive Kritik sind so nur schwer möglich.
  • Manche Pressesprecher befürchten einen „Karriereknick“, wenn der Chef ihren Rede-Entwurf ablehnt.
  • Sie wollen dann auf keinen Fall etwas falsch machen und kopieren darum aus „abgesegneten“ Dokumenten der Fachabteilungen – das Ergebnis: langweilig.

2. Persönliche Referenten der Geschäftsführer oder Vorstände.

Möglicher Vorteil:

  • Sie kennen ihren Chef und das Unternehmen.

Mögliche Nachteile:

  • Viele „Assis“ sind chronisch überlastet und haben keine Zeit für die anspruchsvollen Aufgaben eines Redenschreibers.
  • Sie sind keine PR-Profis.
  • Sie wissen nicht, wie man eine gute Rede schreibt.

3. „Hauptamtliche“ Redenschreiber (in großen Unternehmen und Verbänden sowie in der Politik)

Möglicher Vorteil:

  • In der Regel Vollprofis mit einer Vergangenheit als Journalisten oder als freiberufliche Redenschreiber.

Mögliche Nachteile:

  • Betriebsblindheit, hierarchische Strukturen und Monotonie können die Kreativität lähmen.
  • Oft haben sie keinen direkten Kontakt zum Redner (das Briefing kommt vom Kommunikationschef).

4. Externe Redenschreiber

Mögliche Vorteile:

  • Erfahrene Redenschreiber können sich schnell in den jeweiligen Redner einfühlen und schreiben ihm die Rede auf den Leib.
  • Als externe Dienstleister können sie auf Augenhöhe und vertraulich mit den Rednern kommunizieren.
  • Sie haben den „Blick von außen“, erkennen das Wesentliche.
  • Sie recherchieren schnell und effizient und erfassen die Kernpunkte.
  • Sie wissen, mit welcher Rede-Dramaturgie, welchen Inhalten und welchen rhetorischen Stilmitteln der Redner das Publikum mitreißen und begeistern kann.

Mögliche Nachteile:

  • Die externen Redenschreiber kennen (zunächst) den Redner, das Unternehmen und die Unternehmenskultur nicht oder nur oberflächlich.
  • Komplexe unternehmensspezifische Themen sind für einen externen Redenschreiber manchmal schwer zu durchschauen.
  • Der Auftraggeber kann an einen schlechten Redenschreiber geraten.
  • Erfolgreiche Redenschreiber sind nicht gerade billig.

Fortsetzung folgt!

Der Ton macht die Musik

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Der Rhetorik-Blog gibt der Stimme Gewicht

Die Stimme hat viel mit Stimmung zu tun. Herausragende Gesangsstimmen lassen uns dahinschmelzen und professionelle Sprecher ziehen uns in ihren Bann. Am Klang der Stimme erkennen wir den momentanen Gemütszustand unseres Gesprächspartners – ist er fröhlich, traurig, erregt, nervös, gelangweilt, angeekelt, überrascht oder ängstlich. Der Ton macht die Musik und ist bedeutsam für die zwischenmenschliche Kommunikation.

Folgende Faktoren spielen eine Rolle:

  • Stimmfärbung (heiser, sanft, vibrierend, schrill, gepresst…)
  • Tonlage (hoch, tief)
  • Stimmvolumen (voll/kräftig, dünn…)
  • Intonation/Betonung (monoton, dynamisch)
  • Tonfall (aggressiv, schmeichelnd…)
  • Lautstärke
  • Sprechtempo
  • Pausen
  • Füllwörter (äh, oder so, sozusagen, irgendwie…)
  • Begleitlaute (Lachen, Weinen, Kichern, Räuspern, Krächzen, Gähnen, Seufzen, Schluchzen, Schmatzen, Stöhnen…)
  • Dialekt/Akzent

Wir ziehen anhand der Stimme unwillkürlich Rückschlüsse auf die Persönlichkeit, den Charakter und den Status des Sprechenden – ist er extro- oder introvertiert, schüchtern, selbstbewusst, dominant, gebildet, erfolgreich, sympathisch usw. Und das sogar unabhängig davon, ob wir seine Sprache verstehen oder nicht. Als angenehm, souverän, kompetent, sachlich und seriös empfinden die meisten Menschen tiefere Stimmen, bei Männern genauso wie bei Frauen. Das kann man bei geschulten Nachrichtensprechern gut nachhören. Demgegenüber kommen „kieksige“ Stimmen nicht gut an (und dennoch findet eine Verona Pooth erstaunlicherweise ihre Fangemeinde…).

Besonders konzentrieren wir uns auf die Stimme naturgemäß am Telefon. Kennen wir den Gesprächspartner nicht persönlich, dann ordnen wir aus unserer Erfahrung den Stimmausdruck des Gesprächspartners bestimmten Menschen-Typen zu – und malen uns  ein Fantasie-Bild (von Aussehen, Attraktivität, Alter, Größe, Körpergewicht…). Das kann beim persönlichen Kennenlernen für Überraschungen sorgen – etwa wenn wir uns bei einer voluminösen, kräftigen Stimme einen stattlichen Zwei-Meter-Mann vorgestellt haben und uns dann ein kleines Männlein die Hand schüttelt.

Jede Stimme ist einzigartig, sozusagen ein „akustischer Fingerabdruck“ (den auch die Geheimdienste fleißig nutzen). Die eigene Stimme hört man allerdings ganz anders als die Umwelt. Daher kann schon das Besprechen eines Anrufbeantworters zu einer neuen Selbstwahrnehmung führen. Auch in meinen Rhetorikcoachings und Medientrainings ist bei Videoaufzeichnungen oft die erste Reaktion: „Was, das soll meine Stimme sein!?“

Ihre Stimme zählt!

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Der Rhetorik-Blog gibt der Stimme Gewicht

Ihre Stimme zählt – mehr als Sie vielleicht vermuten. Einer viel diskutierten Studie des Psychologieprofessors Albert Mehrabian zufolge hängt die kommunikative Wirkung des Menschen zu 38 Prozent von der Stimme ab, zu 55 Prozent von seiner Körpersprache und nur zu 7 Prozent vom gesprochenen Wort. Die inhaltliche Ebene wird demnach also weit überschätzt. Ob diese Prozentangaben nun stimmen oder nicht, klar ist: Die Stimme ist in der Kommunikation von zentraler Bedeutung. Grund genug, der Stimme künftig in diesem Rhetorik-Blog mehr Gewicht zu geben – mit einer eigenen Rubrik.

Mehr als gute Worte

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Ein lesenswerter Artikel über die Kommunikation von Führungskräften, in dem ich erfreulicherweise als Kommunikationsexperte zitiert werde: In duz, Deutsche Universitätszeitung, Ausgabe 01/2014, www.duz.de

 

Unterschiedliche Rede-Typen

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Der Rhetorik-Blog gibt einen Überblick über die wichtigsten Rede-Arten

Grundsätzlich kann man zwischen beruflichen und privaten Reden unterscheiden.

Bei beruflichen Reden richten Sie sich entweder in Ihrer Funktion an Ihre Mitarbeiter und Kollegen, oder Sie repräsentieren Ihr Unternehmen in der Öffentlichkeit.

Jedes Unternehmen hat Ziele. Es ist Ihre Aufgabe, Mitarbeiter und Kollegen zum Erreichen dieser Ziele zu motivieren. Unternehmensinterne Reden sind daher immer Motivationsreden. In der Öffentlichkeit wird das Publikum Sie automatisch mit dem gesamten Unternehmen identifizieren – auch wenn Sie nur eine Abteilung leiten. Es liegt also in Ihrer Hand, Ihr Unternehmen bestmöglich zu vertreten. Nehmen Sie dies als Chance wahr, und bereiten Sie sich sorgfältig vor. Wenn Sie bei einem öffentlichen Auftritt eine gute Figur machen, kann Sie das beruflich weiterbringen. Seien Sie sich aber auch der „Fallhöhe“ bewusst – mancher hat sich schon um Kopf und Kragen geredet.

Diese Gefahr besteht bei privaten Reden nur selten. Doch auch hier wird auf Ihre Worte Wert gelegt – machen Sie das Beste draus. Seien Sie persönlich – herzlich, emotional, fröhlich, witzig. Nehmen Sie sich selbst ein wenig auf die Schippe, das kommt immer gut an. Auch wenn Sie Ihren Chef, den Herrn Stadtrat und „ferne Bekannte“ eingeladen haben: es ist Ihre Party. Die meisten Gäste sind Ihre Freunde und Verwandten – seien Sie also so wie Sie sind, ganz „privat“.


Berufliche Reden


Bilanzrede

Ob vor 20 Mitarbeitern oder der versammelten Weltpresse – die Bilanzrede ist ein Klassiker. Gemeinhin hält sie der Unternehmenschef auf der Bilanzpressekonferenz und/oder der Aktionärsversammlung. Bilanzen haben die Eigenschaft, voller Zahlen zu stecken. Überfordern Sie Ihr Publikum nicht, es ist nur begrenzt aufnahmefähig. Beschränken Sie sich auf die wichtigsten Zahlen, verweisen Sie zu Details auf den Geschäftsbericht. Machen Sie aus einer drögen Rückschau eine spannende Vorschau. Zeigen Sie Perspektiven, Projekte und Marktchancen auf.


Sachrede, Fachvortrag

Viele meinen, ein Fachvortrag zeichne sich allein durch Zahlen, Daten und Fakten aus. Durch wissenschaftliche Erkenntnisse. Nun gut: Wenn Sie sich im universitären Umfeld bewegen und/oder Ihr Publikum ausschließlich aus Experten besteht, mag das zutreffen. Doch auch dann gilt: Ein Vortrag ist immer ein Auftritt. Inhaltlich kann er niemals das leisten, was ein Skript oder ein Fachbuch vermag. So komplex das Thema auch ist, versuchen Sie, es kompakt, anschaulich und unterhaltsam zu vermitteln.  


Betriebsversammlung

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist die Stimmung auf Betriebsversammlungen nicht die Beste. Betriebsräte machen sich gerne Luft und prangern tatsächliche oder vermeintliche Defizite in der Unternehmensführung an.

Als Vertreter der Unternehmensführung sind Sie auf Betriebsversammlungen immer „Gastredner“. Lassen Sie sich von Angriffen nicht provozieren. Gestehen Sie Fehler ehrlich ein. Zeigen Sie Emotionen. Beweisen Sie, dass Sie die Perspektive der Mitarbeiter verstehen. Betonen Sie Gemeinsamkeiten, appellieren Sie an den Gemeinschaftssinn. Erinnern Sie an Erfolge in der Vergangenheit. Zeigen Sie mögliche Erfolge in der Zukunft auf. Motivieren Sie.


Pressekonferenz, Statement

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Eine Pressekonferenz bietet große Chancen, birgt aber auch Risiken. Manche Journalisten würden für eine gute Story ihre Großmutter verkaufen. Und diese „gute“ Story kann alles andere als gut für Sie und Ihr Unternehmen sein. Überlegen Sie sich vorab genau, ob Sie wirklich eine Neuigkeit zu verkünden haben, die eine Pressekonferenz rechtfertigt. Ansonsten wird die Resonanz verhalten sein. Und die Journalisten werden nach Themen suchen, die Sie nicht auf der Agenda haben (wollen). Der Umgang mit den Medien will gelernt sein. Auch und gerade für ein kurzes Statement, das in zwei Sätzen Ihre Kernbotschaft auf den Punkt bringt. Machen Sie ein Medientraining und bereiten sich mit einem Q&A („Questions and Answers“, Katalog von Fragen und Antworten) gut vor. Falls Ihr Unternehmen keine Kommunikationsabteilung hat, lassen Sie sich von externen PR-Profis beraten.


Laudatio

Sie möchten einen Preisträger würdigen oder eine Abteilung für ihre Leistung loben? Dann verbreiten Sie gute Stimmung, denn es ist ein freudiger Anlass! Vermeiden Sie lange fachliche Begründungen und die gesamten Lebensläufe der Laudanden (der „zu Lobenden“). Nach zehn Minuten sollte in der Regel Schluss sein. Seien Sie nett, charmant, witzig. Loben und danken Sie, aber werden Sie nicht überschwänglich. Denn andere würden bestimmt auch gern mal von Ihnen gelobt werden…
Auch die Geburtstagsrede, die Jubiläumsrede und die Verabschiedungsrede sind nichts anderes als Laudationes (Lobreden). Manche Führungskräfte greifen dabei gerne zu Musterreden – ein Unding! Die Person, der Sie zum runden Geburtstag oder zur 25-jährigen Betriebszugehörigkeit gratulieren oder die Sie in den Ruhestand verabschieden, ist einzigartig und hat eine individuelle Rede verdient. Bei derartigen Anlässen sind Emotionen im Spiel, hier ist Einfühlungsvermögen gefragt. Würdigen Sie die Leistungen und menschlichen Qualitäten des Laudanden. Sparen Sie Defizite oder negative Ereignisse aus. Reduzieren Sie fachliche Aspekte auf ein Minimum. Erzählen Sie nette Anekdoten und gemeinsame Erlebnisse. Seien Sie herzlich – man wird es Ihnen danken.


Antrittsrede

Die Bedeutung der Antrittsrede sollten Sie keinesfalls unterschätzen, wenn Sie als neue Führungskraft Wert auf ein gutes Miteinander mit Ihren Kollegen und Mitarbeitern legen. Alle sind gespannt auf „den Neuen“, der erste Eindruck zählt. Sie sind der Grünschnabel, während Ihre Mitarbeiter den Laden bestens kennen. Darum ist in Ihrer Rede Understatement meist die richtige Strategie. Zeigen Sie Respekt, auch gegenüber Ihrem Vorgänger. Signalisieren Sie, dass Sie bereit sind, viel dazuzulernen. Werben Sie um Vertrauen. Bieten Sie persönliche Gespräche an, um sich kennenzulernen. Versuchen Sie gegebenenfalls, die mit Ihrem Antritt verbundenen Ängste der Mitarbeiter abzubauen.


Abschiedsrede

Sie verlassen das Unternehmen, um woanders einen besseren Job anzutreten? Halten Sie eine kurze, freundliche Rede und bedanken sich für die schöne gemeinsame Zeit. Sie gehen in den Ruhestand? Bedanken Sie sich bei allen, die Ihnen wichtig sind. Blicken Sie zurück und greifen ein „Highlight“ aus Ihrer Karriere heraus. Aber halten Sie sich ebenfalls kurz  – denn es ist an anderen, Sie zu würdigen. Sie gehen im Groll, etwa weil Ihnen gekündigt wurde? Ersparen Sie es sich und anderen, in Ihrer Abschiedsrede mit irgendjemandem „abzurechnen“. Dann lassen Sie es lieber ganz. Denken Sie daran: Man sieht sich immer zweimal.


Eröffnungsrede

Eine neue Filiale oder ein Anbau wird eröffnet. Das ist ein Grund zum Feiern! Legen Sie in Ihrer Rede nochmals kurz die Gründe für die Eröffnung dar (z.B. Expansion des Unternehmens), nennen Vorteile für das Unternehmen (z.B. neue Marktchancen, mehr Platz) und für die Gesellschaft (z.B. Schaffung neuer Arbeitsplätze, besserer Service für den Kunden). Danken Sie allen Beteiligten, die die Eröffnung möglich gemacht haben. Vorsicht: Bloß keinen vergessen!


Jubiläumsrede

Je nachdem, wie „rund“ das Jubiläum Ihres Unternehmens ist, gewinnt Ihre Rede an Bedeutung. Wenn Sie Geschäftsführer eines traditionsreichen Unternehmens sind, das zum Beispiel 100-jähriges Bestehen feiert, ist das eine tolle Werbemöglichkeit. Laden Sie alle ein, die in Ihrer Region Rang und Namen haben – natürlich auch Journalisten. Machen Sie die Jubiläumsfeier zur Jubelfeier, sorgen Sie für ein rauschendes Fest. Ihre Rede ist einer der Höhepunkte der Party, bereiten Sie sich entsprechend vor. Blicken Sie zurück auf die Anfänge des Unternehmens. Produzieren Sie Bilder im Kopf Ihrer Zuhörer, machen Sie die Vergangenheit erlebbar. Picken Sie aber nur einige Highlights und Anekdoten aus der Unternehmensgeschichte heraus, die wirklich unterhaltsam sind. Denn Sie wollen vor allem unterhalten und gute Laune verbreiten. Würdigen Sie die Leistungen des Gründers, Ihrer Vorgänger und aller Mitarbeiter. Klopfen Sie sich nicht zu sehr selbst auf die Schultern. Ziehen Sie (eine möglichst positive) Bilanz und blicken Sie (möglichst optimistisch) in die Zukunft. Stoßen Sie auf die nächsten 100 Jahre an – Prost!


Präsentation (siehe eigene Rubrik)

  

Private Reden

Young brothers talking with tin can telephone


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Sie feiern eine Party? Werden Sie in Ihrer kurzen (!) Rede die zentrale Botschaft los: Sie freuen sich, dass Ihre Gäste gekommen sind. Greifen Sie einige wenige Gäste heraus, die z.B. einen besonders weiten Weg zurückgelegt haben. Falls es einen besonderen Anlass gibt, begründen Sie ihn (ebenfalls kurz, denn die Anwesenden wissen ja, weshalb sie gekommen sind). Öffnen Sie die Geschenke später, bedanken Sie sich allgemein für „die vielen tollen Geschenke“. Es sei denn, eine Gruppe überreicht Ihnen feierlich ein Gemeinschaftsgeschenk – dann müssen Sie es auch in Ihrer Rede loben. Wünschen Sie allen viel Spaß und guten Appetit.


Hochzeitsrede

Sie sind Braut/Bräutigam, Brautvater, Trauzeuge, Patenonkel oder ein alter Freund? Dann liegt es nahe, dass Sie bei der Hochzeit eine Rede halten. Sie gehören nicht zu diesem Kreis, würden aber gerne etwas sagen? Dann fragen Sie das Paar vorher, ob das auch wirklich erwünscht ist. Denn manche Hochzeit artet in einen Redemarathon aus – gut gemeint, aber langweilig. Wenn Sie reden, halten Sie sich kurz – maximal zehn Minuten. Seien Sie nett und voller positiver Botschaften. Eine Hochzeit ist ein „Fest der Liebe“. Schlagworte wie „Ehekrach“ oder „Scheidung“ sind tabu. Ebenso Anekdoten aus dem vergangenen Liebesleben der Brautleute: „Erinnert Ihr Euch, als Birgit noch mit Dieter zusammen war…“ Gefährlich ist auch das Thema „künftiger Nachwuchs“, das darf nur das Paar selbst anschneiden.


Geburtstagsrede

Ein Verwandter oder guter Freund feiert runden Geburtstag und Sie möchten ein paar Worte sagen? Tun Sie es, aber belassen Sie es wirklich bei ein paar Worten. Stehlen Sie dem Geburtstagskind nicht die Show. Erzählen Sie ein gemeinsames Erlebnis, das seine positiven Charaktereigenschaften hervorhebt. Vorsicht mit Ironie und „peinlichen Geschichten“: Auch wenn der Jubilar normalerweise Spaß versteht, vor Publikum sieht das oft anders aus.


Taufrede

Sie sind Taufpate? Reden Sie! Zeigen Sie Ihre Freude über den „neuen Erdenbürger“. Gratulieren Sie den Eltern und Großeltern. Falls Sie selbst Kinder haben, erzählen Sie kurz Ihre eigenen (positiven) Erfahrungen. Bedanken Sie sich bei den Eltern für das Vertrauen, das sie Ihnen durch die Patenschaft entgegenbringen. Betonen Sie Ihre Verantwortung, die Sie gerne wahrnehmen. Weitere Themen können zum Beispiel „Geborgenheit“, „Erziehung“, „Werte“ oder auch religiöse Aspekte sein. Toasten Sie auf die glückliche Zukunft des Kindes.


Trauerrede

Eine Bestattung ist natürlich der unschönste Redeanlass. Sie sollten vorab prüfen, ob eine Rede angemessen und erwünscht ist. Wenn ja: Fühlen Sie sich dieser Herausforderung gewachsen? Es könnte sein, dass die Emotionen Sie während Ihrer Rede übermannen. Andererseits kann eine gute Trauerrede ein würdevoller Abschied sein und Trost spenden. Zeigen Sie Ihre Fassungslosigkeit. Betonen Sie den schweren Verlust. Finden Sie Worte der Anteilnahme. Verdeutlichen Sie, dass der geliebte Mensch in Ihnen weiterlebt. Gehen Sie evtl. kurz auf die Todesumstände ein. Würdigen Sie die verstorbene Person: ihre positiven Charaktereigenschaften und Merkmale, die sie auszeichneten. Hatte der Verstorbene eine bestimmte Einstellung zum Tod? Wenn ja, können Sie diese reflektieren.

Erinnern Sie an gemeinsame Erlebnisse. Sagen Sie, wie Sie die verstorbene Person im Gedächtnis behalten werden. Richten Sie Dankesworte an den Verstorbenen. Suchen Sie nach einem passenden Zitat oder Gedicht, möglichst von einem Autor, den der Verstorbene besonders mochte.

 

Lampenfieber

Surprised businessman

Leiden auch Sie an der Volkskrankheit Lampenfieber?

Businessman like an ostrich

Der Rhetorik-Blog rät: Nicht den Kopf in den Sand stecken!

Vielleicht kennen Sie das: Sie sollen gleich etwas vor anderen Leuten sagen – und fühlen sich gar nicht wohl dabei. Ihr Puls rast, Sie sind kurzatmig, der kalte Schweiß steht Ihnen auf der Stirn. Ihre Hände sind feucht und zittern. Und wenn Sie loslegen sollen, haben Sie weiche Knie. Ihr Kopf ist knallrot, Ihr Mund trocken. Ihre Stimme klingt ganz heiser und überschlägt sich sogar. Oder der „Super-Gau“ tritt ein: Sie kriegen keinen Ton raus. Nichts. Blackout. Sie können keinen klaren Gedanken fassen und wollen sich schnellstmöglich ins kleinste Mauseloch verkriechen.

Na klar: Das sind die typischen Symptome von Lampenfieber. Kennen Sie gut? Trösten Sie sich: Denn Sie sind nicht allein. Es handelt sich um eine echte Volkskrankheit. Bei Umfragen schafft es die „Angst, vor fremden Leuten zu sprechen“ regelmäßig in die Top-ten der größten Ängste.

Es leiden auch Leute unter Lampenfieber, von denen man es gar nicht vermuten würde: Menschen, die im Alltag sehr kommunikativ und selbstbewusst sind. Und sogar Profis wie Fernsehmoderatoren, Politiker, Schauspieler oder Rockstars schlottern vor ihren Auftritten wie Warmduscher nach dem Eisbad.

Plötzlich wie versteinert

Ich kann mich gut an eine frühere Kollegin erinnern. Sie redete gerne und viel, lachte laut, war frech, witzig und eloquent. Nun kam der Tag, an dem sie in einem Meeting vor etwa 20 Kollegen zehn Minuten zu irgendeinem Thema referieren sollte. Wir waren voll freudiger Erwartung auf einen kurzweiligen Vortrag. Doch die Kollegin war wie verwandelt. Noch bevor sie dran war, fiel mir ihre starke Nervosität auf. Ihr sonst offenes, freundliches Gesicht war wie versteinert. Als sie aufstand und die ersten Worte sagte, zitterte sie am ganzen Leib, auch ihre Stimme vibrierte. Mimik und Gestik wirkten maskenhaft und verkrampft. Alle Anwesenden waren sehr überrascht und etwas peinlich berührt. Wir litten regelrecht mit ihr. Was war nur los? Wir waren doch unter uns. Sie bemerkte unsere Irritation, was die Sache nur verschlimmerte – bis sie in Tränen ausbrach und den Raum verließ.

Ein Rhetoriktraining kann Wunder bewirken

Einige Tage darauf hatte ich Gelegenheit, mit ihr über den Vorfall zu sprechen. Sie erzählte mir, dass sie schon seit Wochen vor Aufregung kaum geschlafen hätte. „Vor so vielen Leuten stehen und auf Befehl etwas Schlaues sagen, das kann ich einfach nicht“, sagte sie. Alle Gedanken hätten sich auf den „blöden Redetermin“ fokussiert. Und immer wieder habe sie sich vorgestellt, dass sie „versagen“ würde, und genau das sei ja dann auch eingetreten. Ich versuchte, ihr Mut zu machen und riet ihr zu einem Rhetorikseminar.

Ein paar Wochen später kam meine Kollegin strahlend auf mich zu. Sie hatte gerade ein Rhetoriktraining absolviert und sagte: „Total verrückt, aber dieses Seminar hat mein Leben verändert. Ich kann jetzt vor anderen Leuten reden!“

Und tatsächlich erlebte ich kurze Zeit später, wie die Kollegin in einem anderen Kreis wieder ein Referat hielt. Und diesmal war sie so wie immer: Frech, witzig und eloquent. Und sie beendete ihren Vortrag mit einem lauten Lachen.

Heute bin ich selbst Rhetoriktrainer. Manche Kollegen suggerieren, dass sie die Teilnehmer ihrer Seminare quasi über Nacht in grandiose Redner verzaubern könnten. Das halte ich für unseriös. Andererseits – und das klingt jetzt etwas pathetisch – kann ein Rhetorikseminar wirklich das Leben verändern: Menschen können dort ihre Redeangst überwinden, viel über sich selbst lernen und selbstbewusster werden. Dabei habe ich insbesondere mit videogestütztem Vortragstraining sehr gute Erfahrungen gesammelt. Meistens sehen und hören die Teilnehmer sich zum ersten Mal selbst eine Rede vortragen. Nach einem ersten „Schock“ gibt es so etwas wie eine „Selbsterkenntnis“ – nach dem Motto: „Stimmt, das bin ich!“. Durch meine Tipps und Anregungen und durch das positive Feedback aus dem „Publikum“ werden meist sehr schnell Erfolge sichtbar. Die Teilnehmer erleben, dass sie viel besser „rüberkommen“ können, als sie es jemals von sich gedacht hätten.

Der Rhetorik-Blog empfiehlt Lampenfieber senkende Mittel: 

  • Der bitterste, aber auch beste Wirkstoff ist die gründliche Vorbereitung. Ihr habe ich eine eigene Rubrik in diesem Blog gewidmet. Wenn Sie gut vorbereitet und „voll im Thema“ sind, weicht die Redeangst automatisch.
  • Na logisch, wie bereits erwähnt: Ein Rhetoriktraining macht immer Sinn! 😉
  • Die innere Einstellung, die man durch Autosuggestion ins Positive wenden kann. Wie meine damalige Kollegin erleben manche Redner das Phänomen „sich selbst erfüllender Prophezeiungen“. Sie befürchten, dass dieses oder jenes schief gehen werde. Und dann geht es tatsächlich schief. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass sich der Mensch durch Autosuggestion sehr gut selbst „manipulieren“ oder „programmieren“ kann. Etwa wenn man schlecht gelaunt ist: Dann kann man sich einfach im Spiegel anlächeln (sprich: Mundwinkel nach oben ziehen), schon geht es einem nachweislich besser. Autosuggestion klingt vielleicht etwas geheimnisvoll. Es geht schlicht darum, immer wieder zu sich selbst zu sagen: „Ich freue mich auf diesen Vortrag. Ich kann es kaum erwarten, anderen Leuten mein Wissen oder meine Sichtweise mitzuteilen.“ So simpel das klingt: Die Wirkung ist verblüffend.
  • Viele vom Lampenfieber Geplagte haben Angst vor dem Publikum. Vor der Menge an Menschen, deren Blicke auf den Redner gerichtet sind. „Grinst da nicht einer? Warum tuscheln die da in der vierten Reihe? Die haben bestimmt was gegen mich! Und dahinten ist Professor Meier, der weiß doch viel mehr über das Thema als ich.“
  • Auch hier hilft die innere Einstellung. Sagen Sie sich: „Das sind alles nette Leute, die einfach einen guten Vortrag hören wollen.“ Natürlich ist es Teil der Vorbereitung, das Publikum vorab bestmöglich zu analysieren – zum Beispiel, um es nicht mit Fakten zu langweilen, die es längst kennt. Man sollte es mit der vermeintlichen Empathie jedoch keinesfalls übertreiben: „Wenn Dr. Müller kommt, muss ich auch sein Lieblingsthema ansprechen“, „wenn ich diese Geste so mache, wirkt das vielleicht unsicher“, „wenn ich diesen Satz so formuliere, wird das vielleicht so oder so interpretiert.“ Machen Sie sich nicht zu viele Gedanken – das macht Sie nur verrückt. Seien Sie gelassen, ihr Publikum ist es auch. Sagen Sie sich: „Wenn tatsächlich irgendetwas Unvorhersehbares passieren sollte, werde ich schon angemessen reagieren.“
  • Ein Weg zu mehr Sicherheit ist ein gut ausformuliertes Manuskript. Natürlich ist es schöner, wenn Sie frei reden. Doch allein die Tatsache, dass Sie den kompletten Redetext für den „Notfall“ dabei haben, macht ihn im „Normalfall“ bereits überflüssig – reine Psychologie.

Auftritt und Wirkung

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Der Rhetorik-Blog gibt zwei „Extrem-Beispiele“ für Redner-Typen

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Publikum bei einem großen Kongress. Die Themen der beiden nächsten Redner klingen interessant: Ein Konzernchef will laut Programm „das Geheimnis des Erfolges der XY AG“ offenbaren, anschließend möchte ein Mittelständler über „IT-Lösungen der Zukunft“ sprechen. Der Moderator kündigt den Vorstandsvorsitzenden an und macht Hoffnung auf einen spannenden Vortrag. Seine Anwesenheit sei eine besondere Ehre, da er öffentliche Auftritte weitgehend meide. Wenig später weiß das Publikum auch warum.

1. Der erfolglose Konzernchef

Es erhebt sich ein etwas beleibter Herr. Man sieht auf den ersten Blick, dass der Anzug zu eng ist. Die altmodische Krawatte passt nicht zum Hemd. Er schwitzt. Mit flatternden DIN A4-Blättern unter dem Arm geht er mit leicht gebückter Haltung und angespannter Miene in Richtung Rednerpult.

Der Konzernchef hat bereits Chancen verspielt, bevor er überhaupt etwas gesagt hat – durch seine Kleidung, seine Haltung, seinen Gang, seine Mimik. Menschen machen sich schon in den ersten Sekunden ein Bild von einer fremden Person, wollen sie einordnen, in eine Schublade stecken. Und viele Kongressteilnehmer sagen sich: „Ein erfolgreicher Manager sieht anders aus“. Bei den meisten ist die Schublade aber noch halb geöffnet, sie denken: „Mal hören, was er zu sagen hat“. Mit einer lebendigen und überzeugenden Rede könnte er den ersten negativen Eindruck verdrängen und alles wieder rausholen. Er muss jetzt Gas geben – dann kommt er auch in die „Gewinner-Schublade“.
Doch was macht der Konzernchef? Er klammert sich an sein Manuskript und liest ab: „Meine sehr geehrten Damen und Herren, ich bin kein Mann vieler Worte und kein großer Redner…“ Er redet sich selbst klein – und behält leider recht: In seinem viel zu langen Vortrag liest er mit leiser, monotoner Stimme endlose Schachtelsätze herunter. Voll von Fachterminologie, die nur die Hälfte der Anwesenden versteht. Er hat kaum Blickkontakt zum Publikum. Er klickt sich lieber durch eine mit Tabellen, Grafiken und Zahlen überfrachtete PowerPoint-Präsentation, die offenbar ein Praktikant zusammengestückelt hat. Der „spannende“ Inhalt? Die minutiös aufbereitete Unternehmensgeschichte, ohne „Geheimnis“ oder Blick in die Zukunft. Irgendwann bemerkt der Redner, dass ihm sein Auditorium wegsackt. Er wird nervös, liest schneller ab und verhaspelt sich dabei. Seine Stimme überschlägt sich, als er sich entschuldigt, dass er die Redezeit wohl falsch eingeschätzt habe. Er überspringt nun die meisten Charts und kommt bald zum bitteren Ende. Als er, begleitet von einem höflichen Applaus, wieder seinen Platz erreicht, wirkt er sichtlich erleichtert – und mit ihm das Publikum. Es denkt: „Ist schon bemerkenswert, dass der es so weit nach oben geschafft hat…“

2. Der dynamische Mittelständler

Nun ist der Mittelständler an der Reihe. Er ist ebenfalls kräftig gebaut, aber bei ihm sitzt der Anzug. Er strahlt von Anfang an Dynamik aus, läuft lächelnd zum Pult. Man denkt: „Der scheint sich ja richtig auf seinen Auftritt zu freuen.“ In der Hand hält er einige Kärtchen, auf die er nur ab und zu einen Blick wirft. Offenbar ist er bestens vorbereitet. Er beschränkt sich auf wenige, anschauliche und professionell gemachte Charts. Ein paar Mal nutzt er ergänzend das Flipchart. Seine Worte beweisen fachliche Kompetenz. Alle verstehen ihn, denn er spricht Deutsch und kein Fachchinesisch. Interessante Fakten verbindet er geschickt mit den Erfolgen und Zielen seines Unternehmens. Mit klarer, kräftiger Stimme betont er seine Kernthesen. Er stellt rhetorische Fragen und macht Kunstpausen. Er zieht Vergleiche, spricht bildhaft, gibt Beispiele und erzählt von eigenen Erlebnissen. Er lächelt und lacht, streut ab und zu einen kleinen Gag ein. Er schaut ins Publikum und nimmt dessen Feedback auf, er kommuniziert mit den Leuten. Sie hängen an seinen Lippen – und sind dankbar, dass er ihnen den Tag rettet. Tosender Applaus. Der Mittelständler hat sich und sein Unternehmen glänzend präsentiert.

Reden sind ein wichtiger Bestandteil des Reputationsmanagements

Zugegeben: Die beiden Beispiele sind extrem. Denn die meisten Redner sind nicht gut oder schlecht, sondern mittelmäßig. Sie spulen ihren Vortrag ohne Auffälligkeiten herunter – und reißen damit keinen vom Hocker.

Doch bei den vielen Reden, die ich live erlebt habe, ist es schon mehrfach wie bei dem Konzernchef abgelaufen: Top-Manager, von denen das Auditorium zu Recht viel erwartete, die mit ihren Auftritten jedoch kläglich scheiterten – durch Unsicherheit, mangelnde Vorbereitung, langweiligen Inhalt, schlechte Charts. Marketing- und PR-Abteilungen betreiben viel Aufwand, um ihr Unternehmen im besten Licht darzustellen – als dynamisch, innovativ, erfolgreich. „Reputation Management“ lautet dabei eines der Zauberworte. Wenn dann ein Unternehmenschef auftaucht, dessen Persönlichkeit dem mühsam erarbeiteten Image widerspricht, wundert sich das Publikum.

Jede Äußerlichkeit ist ein Statement 

Das gilt sogar für die Kleidung. Grundsätzlich kann man natürlich die Klamotten tragen, in denen man sich wohl fühlt. In höheren Positionen ist eine Stilberatung jedoch sehr empfehlenswert. Gibt es einen Dresscode, sollte man ihn auch beachten – es sei denn, Sie möchten bewusst auffallen. Ob man will oder nicht: Mit Äußerlichkeiten (zu denen auch alle „Statussymbole“ wie Autos, Schmuck, Handy usw. zählen) gibt man ein Statement ab. Zum Beispiel, wenn der Chef zum Gala-Dinner im Strickpullover erscheint. Oder wenn der Praktikant im neuen Porsche vorfährt.

Zurück zum Rednerpult. Auch wenn der Mann auf der Bühne keine gute Figur abgibt – zu seiner Verteidigung könnte man sagen: „Er wird schon seine Fähigkeiten haben, sonst würde er kein großes Unternehmen führen.“

Ja und Nein. Niemand setzt bei einem Manager Showtalent voraus. Doch das Publikum spürt sofort, wenn der Redner sich nicht ausreichend vorbereitet hat – und empfindet dies als Beleidigung. Manager haben für die Vorbereitung zu wenig Zeit? Schlechte Ausrede, denn Rede-Termine sind Top-Termine. Natürlich kann man nicht erwarten, dass sie sich tagelang mit einer Rede beschäftigen. Aber Führungskräfte sind schließlich Meister im Delegieren: Mit dem richtigen Redenschreiber und Rhetorikcoach können sie die Vorbereitungszeit minimieren und das Ergebnis optimieren.

Welcher Redner hat das gewisse Etwas?

Doch wenden wir uns noch der anderen Seite zu: Den Rednern, die überzeugen, begeistern, mitreißen. Rednern, bei denen die Macht der Rhetorik spürbar wird. Rhetorik ist die Kunst der Rede. Wer diese Kunst beherrscht, findet nicht nur die richtigen Worte. Er entfaltet seine Wirkung durch seine gesamte Persönlichkeit, durch sein Charisma. Die potenziell enorme Wirkung auf die Massen kann geradezu beängstigend sein: Wir alle kennen die berühmt-berüchtigten Beispiele der großen (Ver-)Führer aus der Weltgeschichte.

Doch manchmal trifft man in ganz „normalen“, unpolitischen Veranstaltungen auf Redner, deren rhetorische Kraft umwerfend ist.

Ich habe mich natürlich oft gefragt, was dieses gewisse Etwas ausmacht. Und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass man „brennen“ muss. Die besten Redner sind diejenigen, die für ihre Sache voll und ganz und zu 150 Prozent brennen. Aus denen die Begeisterung heraussprudelt. Die etwas zu sagen haben. Glaubwürdig und – ja – authentisch. Sie wollen mit dem, das sie bewegt, andere bewegen – zum Denken und Handeln. Redner, die für etwas fiebern, erfüllen die beste Voraussetzung, dass ihre Zuhörer mitfiebern. Zum Beispiel, weil sie sich mit ihrem Thema bestens auskennen und darum frei reden können.

Natürlich kann es auch „brennenden“ Rednern passieren, dass etwas schief läuft. Etwa dass sie sich mit ihrem großen Wissen verzetteln, nicht auf den Punkt kommen, zu fachlich werden.

Doch wozu gibt es Rhetorikseminare? Dort können sie lernen, wie sie ihre Reden so vorbereiten, dass sie erfolgreich sind.

Reden vorbereiten

business work

 

Der Rhetorik-Blog meint:
Die beste Basis einer erfolgreichen Rede ist die gründliche Vorbereitung.

 

Der Teufel steckt oft im – scheinbar banalen – Detail. Anhand der folgenden Checkliste können Sie alle wichtigen Fragen vorab klären.


Checkliste: Was will ich wem wozu wann wo wie sagen?


1. Redeanlass, Organisatorisches
  • Was ist das für eine Veranstaltung?
  • Gibt es ein übergeordnetes Thema der Veranstaltung?
  • Wo findet sie statt (genaue Adresse, Raumangabe)?
  • Wann findet sie statt?
  • Habe ich da Zeit?
  • Genauer Redezeitpunkt?
  • Wie komme ich da hin und zurück?
  • Mit Übernachtung, wo?
  • Gewünschte Rededauer?
  • Warum soll ich da reden?
  • Wird mir ein Thema vorgegeben oder vorgeschlagen?
  • Oder kann ich es frei wählen?
  • Wer wird bei der Veranstaltung außer mir reden?
  • Zu welchen Themen?
  • Wer redet vor mir, wer nach mir?
  • Werde ich angekündigt? Wenn ja, wie und von wem? Kontaktdaten?
  • Gibt es ein Programm, in dem ich angekündigt werde?
  • Wenn ja, wie (z.B. mit Foto)? Wer macht das Programm? Kontaktdaten?
  • Soll die Rede veröffentlicht werden?
  • Wo werde ich sitzen (im Publikum, an einem Tisch, auf einem Podium)?
  • Neben wem?
  • Wenn ich auf einem Podium sitze: Wer sitzt da noch?
  • Gibt es ein Rednerpult?
  • Wie groß ist die Bühne?
  • Tageslicht oder Scheinwerfer?
  • Werde ich vorab für ein Mikrofon verkabelt?
  • Wenn ja: Wer macht das wann?
  • Ist eine PowerPoint-Präsentation erwünscht?
  • Wenn ja, sind alle technischen Mittel vorhanden?
  • Bringe ich meinen Laptop oder nur einen USB-Stick mit?
  • Sind sonstige Präsentationsmittel erwünscht/vorhanden (z.B. Flipchart)?
  • Gibt es vor Ort einen Drucker (falls ich kurzfristig am Manuskript etwas ändern und es nochmal ausdrucken möchte)?
  • Gibt es einen Dresscode? Was ziehe ich an?

2. Was will ich sagen?

  • Wie lautet mein Thema?
  • Passt dieses Thema in die Veranstaltung?
  • Deckt es sich mit den Wünschen der Gastgeber?
  • Gibt es Überschneidungen mit den Themen anderer Redner?

3. Redeziele

  • Mein Anliegen, meine „Message“:
  • Mein Kernsatz:
  • Meine These:
  • Mein Appell:
  • Will ich informieren, motivieren, überzeugen, unterhalten…?

4. Recherche, Stoffsammlung, Umsetzung

  • Welche Quellen gibt es?
  • Wer ist in meinem Unternehmen für den Themenbereich zuständig?
  • Gibt es bereits Redemanuskripte und/oder Charts zu diesem Thema?
  • Redenschreiber:
  • Chartgestalter:
  • Abgabefrist:
  • Rhetorikcoach:
  • Übungstermin:

5. Wem will ich etwas sagen? (Publikumsanalyse)

  • Wie viele Zuhörer?
  • Kann man die Zuhörer zuordnen (z.B. einer bestimmten Branche)?
  • Interessieren sich die Zuhörer für mein Thema?
  • Kennen sich die Zuhörer mit meinem Thema aus?
  • Welchen Nutzen haben die Zuhörer von meiner Rede?
  • Gibt es im Publikum Ehrengäste, VIPs?
  • Wenn ja: Wo sitzen sie?
  • Wen muss ich begrüßen, Protokoll?
  • Sind Journalisten/Fotografen/Fernsehen anwesend?
  • Wenn ja: Sind Interviews geplant?
  • Haben die Veranstalter einen Pressesprecher? Kontaktdaten?
  • Wer verwaltet die Gästeliste? Kontaktdaten?
  • Kurz vor Veranstaltung checken: Sind die angekündigten Ehrengäste tatsächlich anwesend?
  • Möchte ich bestimmte Personen besonders überzeugen?
  • Gibt es im Publikum Kritiker, Gegner?
  • Ist mit Zwischenrufen zu rechnen?
  • Darf das Publikum anschließend Fragen stellen?
  • Gibt es eine Diskussion?